sagte Paco zu mir, als wir uns im August 2005 kurz hinter Jaca trafen. Paco erklärte mir diesen Satz und meinte, die Milchstraße direkt über uns und die zahlreichen Sternschnuppen am nächtlichen Himmel sind ausschlaggebend dafür, daß dieser biblische Satz auch für diese Gegend gilt. Meiner Meinung nach ist die Milchstraße ausschlaggebend dafür, daß ausgerechnet hier die Hauptschlagader der europäischen Pilgerbewegung verläuft. Karl der Große erhielt von Gott den Auftrag, unter den Sternen gen Santiago zu ziehen und Napoleon tat es ihm nach. Weil aber der eine nicht in die Fußstapfen des anderen treten wollte, wählte einer den Weg über die Pyrenäen über Col du Somport und der andere über Saint Pied de Port. Da die Mauren jahrhundertelang in diesem wunderschönen Land wüteten, wählten die Basken den Weg über San Sebastian und Saint Jean de Luz.
Diese sagenumwobene Pilgerbewegung ergriff im Mittelalter ganz Europa, die Jakobswege reichen bis Dänemark, England und Pommern. Das heutige Tschechien ist inzwischen wieder durch zahlreiche Wanderwege an die oben genannten Anschlusspunkte angeschlossen und auch bald wird die Bevölkerung aus Riga wieder die Möglichkeit haben, nach Santiago zu pilgern.
2006 begegnete mir ein Franzose, der zu Hause startete und in ganz Frankreich jeden abend an irgend eine Tür klopfte und sagte: „Guten Abend, ich bin ein Pilger auf dem Weg nach Santiago. Ich bin heute schon 30 km gelaufen, ich bin müde, habe Hunger und Durst. Darf ich bitte in Ihrem Garten mein Zelt aufstellen?" Er brauchte sein Zelt nur ein einziges mal und das auch nur, weil kein Dorf in der Nähe war. Die Leute bewirteten ihn und statteten ihn mit soviel Proviant aus, daß er sogar ablehnen mußte, weil er diesen wegen dem Gewicht nicht mitnehmen konnte. Er mußte ihnen mehrmals erklären, "versteht doch, ich kann nicht soviel mitnehmen. Das wiegt viel zu viel. Wenn ich wieder Hunger habe, werde ich schon jemanden finden, der mir eine Kleinigkeit geben kann."
In diesem Jahr sagte mir ein deutscher Pilger, der Jakobsweg zieht die wunderbarsten Menschen der ganzen Welt an. Oder ist es der Weg, der uns verändert? Wir lernen, mit offenen Augen zu sehen, das gilt gerade für mich, da ich doch keinen Orientierungssinn habe und dringend auf diese riesengroßen Wegweiser angewiesen bin.
Es ist wunderbar zu erleben, wieviele liebevolle und umsichtige Menschen unter uns sind, die uns jederzeit helfen, obwohl diese keinerlei wirtschaftliche Vorteile bringt, wo doch gerade heute oft nur etwas für einen anderen getan wird, wenn man einen Vorteil daraus ziehen kann. Sind es die Sagen, die diese Wanderung so faszinierend machen oder stimmt mein Eindruck, daß ein Pilger dem Himmel ein Stückchen näher ist? Ich glaube fast, dass es so ist, denn seit ich wieder zu Hause bin, fällt es mir schwer, die vielen Kleinigkeiten zu beherzigen, die ich unterwegs gelernt habe. Unser altes Strickmuster der Gewohnheiten holt uns allzu schnell wieder zurück, bei mir wird das besonders deutlich. Ich als Langschläferin hatte kaum 24 Stunden Zeit, mich an den Rythmus der Pilgerbewegung zu gewöhnen und ich war kaum zu Hause, verfiel ich wieder in Tiefschlaf. Das gilt für die Schlafgewohnheiten ebenso wie für die diversen Lebenssituationen und Denkstrukturen.
Es ist etwas besonderes, sein zu Hause zu verlassen, morgens nicht zu wissen, wer abends unter meinem Bett schnarcht, man weiß vorher nicht, wann und wo man ankommt.
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