Freitag, Dezember 09, 2022

Dis maman, c'est encore loin Compostelle ?

Ich lese seit Jahren das Buch von Céline Anaya Gautier, komme aber nicht wirklich weiter, weil ich etliches übersetzen muss. 

Das Buch hat folgenden Anfang; 

À mon petit homme Santiago, que ta vie soit à l'image  de la grandeur. Je t'aime ! Maman

À Marc-Antoine, Une étoile filante qui aura marqué, le chemin de ma vie par sa générosé, sa grandeur d'âme et son courage. 

Prologe - Le départ
Le pourquoi du comment
Enfin, nous y voila !
Dimanche 22 juin 2014. Après 6 mois de préparation, le grand jour est arrivé.

Montag, August 04, 2008

Auf Trampelpfaden gen Westen


Ich hätte mir nie träumen lassen, daß ich einmal Europa auf solchen Wegen erkunde und bereise. Das diese Reiseform möglich ist, verdanken wir den Wandervereinen. Die Jakobsorganisationen erkunden zudem noch die historischen Wege, die Geschichte und suchen die schönsten begehbaren Pfade mithilfe der ortsansässigen Bevölkerung für uns heraus. Leider läßt es sich nicht verhindern, diese manchmal mit Hilfe des öffentlichen Straßennetzes zu verbinden. Die Bevölkerung selber bietet zahlreiche Unterkünfte, oft zu Selbstkostenpreisen an und steht uns Vorbeireisenden jederzeit hilfreich zur Seite.

Mit Hilfe der "Stars der Alpen" in Frankreich, so habe ich die grasenden Kühe getauft, weil sie so neugierig in die Kamera blickten, und der natürlichen Rasenmäher, die Schafe in Spanien, werden die Wege intakt gehalten und stehen uns zur Verfügung.

Dank Internet ist diese Aktion nun in den letzten Jahren neuem, diesmal internationalem Ruhm gekommen und zu Recht! Es gibt kaum eine schönere Reiseform, die Kultur, Sport und Natur besser miteinander verbinden kann.

Diese grandiose Leistung vieler, miteinander kommunizierender Organisationen kommt nun uns Pilgern zu Gute, wir profitieren davon. Um diese Reiseform aufrecht zu erhalten, braucht es Menschen, die mithelfen, kundige Ortsansässige in den jeweiligen Regionen und Pilger, die diese beleben. Aus diesem Grund bin ich einer der Jakobsgesellschaften beigetreten und ich hoffe, es tun mir Etliche nach. Manchmal ist es nur wenig, was zu tun ist. In Spanien konnte ich von dem Wissen der Bauern profitieren, wenn ich mich mal verlaufen hatte. Dort kennt jeder, wirklich JEDER, seine Heimat und weiß, wo er uns Pilger hinschicken muß, damit wir den Weg wiederfinden. In Frankreich brauchte ich dafür schon die Hilfe der Tourist-Information und in Deutschland kann uns kaum jemand helfen , selbst dann nicht, wenn der Jakobsweg an seiner Haustür vorbeilaufen würde.

Freitag, November 02, 2007

Weltkulturerbe

Das Pilgern erfährt heute über alle Länder-, Religions- und Konfektionsgrenzen hinweg eine Renessance und erreicht alle Bevölkerungsschichten. Pilgerwege umfassen alle Länder unseres Kulturkreises. Sie sind im geographischen und gruppendynamischen Sinne grenzüberschreitend. Der Jakobsweg in der Ost-West-Richtung zwischen der Ukraine und Nordspanien führt durch mindestens acht Länder und gilt als europäische Kulturstraße.

Sonntag, Oktober 28, 2007

10 Gründe, die für die Pilgerbewegung sprechen

1. Es steht schon in der Bibel, daß das Volk Gottes ein Wandervolk ist. Moses wanderte mit ihnen aus Ägypten aus und Jesus betätigte sich als Wanderprediger.

2. Die internationale Kommunikation und mulitkulterelle Völkerverständigung ist ein Grund dafür, daß die Europäische Union dieses Projekt mit Preisen auszeichnet und Zuschüsse beantragt werden können.

3. Wer als Jakobspilger unterwegs ist, lernt sich selbst kennnen, ohne dem Einfluß von Medien und Werbung, Verwandten und Freunden, Arbeitskollegen und Nachbarn tagtäglich ausgesetzt zu sein. Diese absolute Freiheit macht erst deutlich, was wirklich im Leben des Einzelnen wichtig ist. Abgesehen von den Füßen, Essen und Wäschewaschen hat nur noch das Ankommen Bestand.

4. Wer bis dahin noch keinen gesunden Bezug zur Natur hatte, bekommt ihn spätestens jetzt, denn der Weg geht nicht nur durch traumhafte Landschaften, vorbei an historischen Gebäuden und über märchenhafte Brücken, sondern auch die Ausbeutung der Natur wird deutlich. Spätestens die Industriegebiete der Großstädte, welche auch passiert werden müssen, wecken jeden intelligenten Geist und die Umweltverschmutzung wird überdeutlich.

5. Wandern ist die günstigste Fortbewegungsart, abgesehen von den Kosten für gute Schuhe fallen keine weiteren Aufwendungen an. Auch die Unterkünfte und das Essen ist günstig. Daher ist es die einfachste und billigste Art, ein Land und seine Bevölkerung intensiv kennenzulernen, ohne der Natur (wie sonst üblich in der Tourismusbranche) zur Last zu fallen.

6. Bewegung ist für jeden gesunden Menschen gut, auch unsportliche Personen können diese Sportart ohne Vorbereitung gut bewältigen, da die Herbergen ausreichend vorhanden sind kann man seine ganz persönlichen Etappenziele auf seine eigenen körperlichen Kräfte abstimmen und nimmt ganz nebenbei an der Geschichte Xacobeo teil.
7. Durch die multikulturellen Begegnungen erweitert jeder ganz unbemerkt seine eigenen Fremdsprachenkenntnisse.

8. Auf den ganzen 977 km zwischen Somport und Muxía habe ich nur glückliche Menschen kennengelernt. Nur Relaxo, der Pilgerhund mit drei Jakobsmuscheln sah unglücklich aus, weil er den Bus für die Rückfahrt nicht betreten durfte.

9. Für später hat man jede Menge internationale Adressen zwecks Briefkontakt oder email-Austausch.

10. Die Compostela

Dienstag, Mai 08, 2007

Tarta de Santiago - Das Rezept

Endlich in Santiago angekommen, kann man an jeder Ecke die herrlich leckere galizische Mandeltorte essen, ich habe mir zwei davon ins Handgepäck gepackt, der Offizier am Check-in des Flughafens hat ziemlich verdattert geguckt. Aber nun habe ich das Rezept gefunden:

für den Teig: 1 Ei, 125 Gramm Zucker, 125 Gramm Mehl
für die Füllung: 4 Eier, 250 g Zucker, Schale einer unbehandelten Zitrone, 250 g Mandeln, 1 Messerspitze Zimt, Mehl für die Arbeitsfläche, Puderzucker zum Bestreuen.

Der Teig:
Das Ei mit dem Zucker und 1-2 Eßlöffeln lauwarmem Wasser schaumig rühren, nach und nach das Mehl dazugeben, bis der Teig nicht mehr an der Schüssel klebt. Den Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen und in eine gefettete Springform legen, mit einer Gabel einstechen und die Füllung darauf verteilen.

Die Füllung:
Die Eier und Zucker schaumig schlagen, die Zitronenschale, die Mandel und den Zimt nach und nach unterrühren. Auf den Teig in die Springform verteilen (siehe oben).

Bei 180 Grad 30 Minuten goldbraun backen. Im Rezept steht: im vorgeheizten Backofen, aber das berücksichtige ich nie.

Anschließend auskühlen lassen, aus der Form nehmen und mit Puderzucker bestäuben.
Wer gut basteln kann, schneidet sich eine Pappschablone zurecht, mit deren Hilfe man das Jakobskreuz auftragen kann.

Donnerstag, November 30, 2006

Warum tut ihr euch das an?

Die Frage stellte mir ein spanischer Familienvater, der mit seiner 17jährigen Tochter in seinen Daimler einstieg. Ich konnte nur antworten: No sé! Aber er gibt Kraft für das ganze Leben und wir können stolz darauf sein, 860 km zu Fuß zu laufen. Land und Leute motivieren uns, aber die Anziehungskraft des Camino hat etwas magisches.

Freitag, November 03, 2006

Das Land, in dem der Himmel weint

sagte Paco zu mir, als wir uns im August 2005 kurz hinter Jaca trafen. Paco erklärte mir diesen Satz und meinte, die Milchstraße direkt über uns und die zahlreichen Sternschnuppen am nächtlichen Himmel sind ausschlaggebend dafür, daß dieser biblische Satz auch für diese Gegend gilt. Meiner Meinung nach ist die Milchstraße ausschlaggebend dafür, daß ausgerechnet hier die Hauptschlagader der europäischen Pilgerbewegung verläuft. Karl der Große erhielt von Gott den Auftrag, unter den Sternen gen Santiago zu ziehen und Napoleon tat es ihm nach. Weil aber der eine nicht in die Fußstapfen des anderen treten wollte, wählte einer den Weg über die Pyrenäen über Col du Somport und der andere über Saint Pied de Port. Da die Mauren jahrhundertelang in diesem wunderschönen Land wüteten, wählten die Basken den Weg über San Sebastian und Saint Jean de Luz.

Diese sagenumwobene Pilgerbewegung ergriff im Mittelalter ganz Europa, die Jakobswege reichen bis Dänemark, England und Pommern. Das heutige Tschechien ist inzwischen wieder durch zahlreiche Wanderwege an die oben genannten Anschlusspunkte angeschlossen und auch bald wird die Bevölkerung aus Riga wieder die Möglichkeit haben, nach Santiago zu pilgern.

2006 begegnete mir ein Franzose, der zu Hause startete und in ganz Frankreich jeden abend an irgend eine Tür klopfte und sagte: „Guten Abend, ich bin ein Pilger auf dem Weg nach Santiago. Ich bin heute schon 30 km gelaufen, ich bin müde, habe Hunger und Durst. Darf ich bitte in Ihrem Garten mein Zelt aufstellen?" Er brauchte sein Zelt nur ein einziges mal und das auch nur, weil kein Dorf in der Nähe war. Die Leute bewirteten ihn und statteten ihn mit soviel Proviant aus, daß er sogar ablehnen mußte, weil er diesen wegen dem Gewicht nicht mitnehmen konnte. Er mußte ihnen mehrmals erklären, "versteht doch, ich kann nicht soviel mitnehmen. Das wiegt viel zu viel. Wenn ich wieder Hunger habe, werde ich schon jemanden finden, der mir eine Kleinigkeit geben kann."

In diesem Jahr sagte mir ein deutscher Pilger, der Jakobsweg zieht die wunderbarsten Menschen der ganzen Welt an. Oder ist es der Weg, der uns verändert? Wir lernen, mit offenen Augen zu sehen, das gilt gerade für mich, da ich doch keinen Orientierungssinn habe und dringend auf diese riesengroßen Wegweiser angewiesen bin.
Es ist wunderbar zu erleben, wieviele liebevolle und umsichtige Menschen unter uns sind, die uns jederzeit helfen, obwohl diese keinerlei wirtschaftliche Vorteile bringt, wo doch gerade heute oft nur etwas für einen anderen getan wird, wenn man einen Vorteil daraus ziehen kann. Sind es die Sagen, die diese Wanderung so faszinierend machen oder stimmt mein Eindruck, daß ein Pilger dem Himmel ein Stückchen näher ist? Ich glaube fast, dass es so ist, denn seit ich wieder zu Hause bin, fällt es mir schwer, die vielen Kleinigkeiten zu beherzigen, die ich unterwegs gelernt habe. Unser altes Strickmuster der Gewohnheiten holt uns allzu schnell wieder zurück, bei mir wird das besonders deutlich. Ich als Langschläferin hatte kaum 24 Stunden Zeit, mich an den Rythmus der Pilgerbewegung zu gewöhnen und ich war kaum zu Hause, verfiel ich wieder in Tiefschlaf. Das gilt für die Schlafgewohnheiten ebenso wie für die diversen Lebenssituationen und Denkstrukturen.
Es ist etwas besonderes, sein zu Hause zu verlassen, morgens nicht zu wissen, wer abends unter meinem Bett schnarcht, man weiß vorher nicht, wann und wo man ankommt.